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07.05.2007

HTL-Schüler interviewen ZIB2 - Moderator Armin Wolf

In ungewohnter Rolle befand sich ZIB 2-Moderator und Romy-Preisträger Dr. Armin Wolf am Donnerstag, dem 26. April, als er sich zwei Stunden den teils investigativen Fragen von SchülerInnen aus sechs Abschlussklassen der HTL Hollabrunn stellte. Nur selten kopierte Herr Wolf seine "Opfer", die Politiker, indem er einer klaren Antwort auswich (Beispiel: Wie viel verdienen Sie? Antwort: Ausreichend.)

Meist nahm er sich kein Blatt vor den Mund und sagte, was Sache ist. Zum Beispiel, dass er jetzt unter ORF-Generaldirektor Wrabetz mehr Freiheiten bei seiner Arbeit habe als unter dem "Regime" Lindner/Mück. Das damalige Klima kritisierte er öffentlich in einer berühmt gewordenen Rede, die nicht unwesentlich zu einem "Machtwechel" im ORF beitrug.

Interessant war, wie er seinen Beruf als politischer Aufklärer definiert. Er will seinen Zusehern helfen, am politischen Diskurs teilzunehmen. Vorbild in diesem Sinn sei die BBC. Dabei sieht er sich als Gegenteil eines Politikers. Er würde auch nicht als Quereinsteiger in die Politik gehen, obwohl er sicher in einigen Parteien gern gesehen wäre. In seiner Dissertation hat er den geringen Erfolg politischer Quereinsteiger in Österreich dokumentiert. Sein Hauptziel ist, beim Publikum glaubhaft anzukommen. Er sagt auch nie öffentlich etwas zu aktuellen politischen Fragen oder gar, welche Partei er wählt. Das ist seine private politische Meinung, die er strikt von seiner beruflichen Arbeit trennt. 

Interviews mit Politikern vergleicht Herr Wolf gern mit einem Schachspiel: Inhaltlich sei von Politikern selten etwas Neues zu erfahren, daher seien solche Interviews vor allem strategisch interessant: Wie gelingt es, ihn oder sie auf konkrete Aussagen festzulegen, Widersprüche aufzuzeigen, man könnte auch sagen, ?aufs Glatteis zu führen?. Daher sei es am spannendsten, Neulinge in der Politik zu befragen. Ausnahme war der in Journalistenkreisen legendäre Peter Marizzi, der 1989 überraschend unter Bundeskanzler Vranitzky SPÖ-Zentralsekretär wurde und bei seinem ersten Interview im Mittagsjournal gezählte 32 Fragen innerhalb von vier Minuten (fast nicht) beantwortete. Er hatte einfach Angst, etwas Falsches zu sagen.

Ein journalistisches Dilemma verriet Herr Wolf den HTL-Schülern: Wie unterbricht man einen Interviewgast höflich, ohne dass es die Zuseher krumm nehmen. Politiker wollen nämlich Interviews als günstige Gelegenheit nutzen, ihre Wahlreden 600 000 Menschen (das ist die durchschnittliche Seherzahl einer ZIB 2) nahe zu bringen. Dazu müssten sie sonst mehr als 2000 Wahlveranstaltungen abhalten. Besonders unbeliebt machte sich Herr Wolf, als er Kardinal Schönborn zu kurzen Antworten verleiten wollte. Eine Postkarte des Verlages "Internationale Barmherzigkeit", eingesandt von einer erbosten Zuseherin, erinnert ihn bis heute an diesen Fauxpas. Auf ihr steht: "Du bist und bleibst eine linke Drecksau." Dazu muss man wissen, dass Herr Wolf bis 18 Mitglied der Jungen Volkspartei und Vorstand der ÖVP-nahen Schülerunion war. Vielleicht zeigt das, dass er sein Berufsethos, nämlich Äquidistanz zu politischen Parteien, sehr ernst nimmt. Er gesteht aber auch, dass harte Interviews bei Politikern wie Westenthaler, Strache und Haider am wenigsten aufgeregte Zuseherreaktionen auslösen.

Auf die Frage nach seinem peinlichsten Fehler gestand Herr Wolf einen mathematischen Missgriff bei einem Interview des damaligen Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel: Er wollte eine Erklärung, warum die teuren Eurofighter statt der "um 100%" günstigeren Gripen bestellt wurden. Der luzide Bundeskanzler konterte blitzschnell: "Herr Wolf, dann bekämen wir den Gripen gratis." Touché - das Interview war damit gelaufen. Herrn Wolf ärgert dieser Fehler bis heute.

Resumierend kann man feststellen, dass die HTL-Schüler eine kurzweilige, geistig erfrischende und informative Veranstaltung erlebten. Es ist ein Glück, dass Österreich und der ORF einen solch fähigen Journalisten haben, der sicher ein würdiger Nachfolger eines Robert Hochner ist. Neben anderen Auszeichnungen erhielt Herr Wolf auch den Robert-Hochner-Preis. Es bleibt zu hoffen, dass seine Interviews weiterhin so gut gelingen und auch unsere Jugendlichen für politische Sendungen interessieren.